Ein Sonntagnachmittag mit Torte, Tiefgang und einer geretteten Ratte

Ein „RATTENSCHARFER“ Nachmittag

Es war sehr gemütlich am Sonntag, den 12. April 2026 im Offenen Haus der Begegnung in Mösthinsdorf.
Die Tische waren liebevoll dekoriert und die Torten waren super lecker. Man lehnte sich zurück, genoss und ahnte noch nicht, dass gleich eine Ratte das Leben erklärt.

Und dann wurde sie uns angekündigt…URSULA.

Ursula von Rätin betrat die Bühne mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte sie schon immer dazugehört. Und irgendwie stimmte das auch. Nach wenigen Minuten hatte man das Gefühl, sie schon ewig zu kennen – oder zumindest jemanden, der ganz ähnlich ist.

Sie erzählte ihre Geschichte. Oder besser gesagt: ihr Leben.
Ein Leben, das offensichtlich einiges gesehen hat.

Da war einmal dieser glorreiche Rattenmann auf einer großen Bühne – bewundert, geliebt, im Rampenlicht. Und während man noch denkt, es gehe um irgendeine andere Figur, kommt ganz trocken die Auflösung:
Das war sie selbst.

Ein kurzer Moment des Sortierens im Kopf – und dann Gelächter.

Doch das Leben meinte es nicht dauerhaft gut mit diesem Rattenmann. Irgendwann war Schluss mit Ruhm und Glanz. Abgehangen. Aussortiert. Ende Gelände.

Aber genau hier wird die Geschichte erst richtig gut.
Denn statt im Bühnenhimmel zu verschwinden, wurde diese Ratte gewissermaßen gerettet – neu gedacht, neu angezogen, neu erfunden.

Blüschen, Büstenhalter, Rock, ein Tuch – und plötzlich war sie da: die Rattendame URSULA.

Und diese Ursula hat einiges zu erzählen. Vor allem über die Liebe. Oder besser gesagt: über das, was davon übrig bleibt, wenn sie mal wieder nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat.

Sie singt von einem Liebesleben, das reich an Erlebnissen und eher sparsam an Glück ist – und trotzdem nie langweilig wird. Verkorkst, chaotisch, manchmal zum Davonlaufen und dann wieder so ehrlich, dass man sich selbst darin wiederfindet.

Dabei passiert etwas Faszinierendes: Man lacht. Viel. Sehr viel.
Und gleichzeitig denkt man: Ja, genau so ist es manchmal.

Ursula ist alles gleichzeitig – schlagfertig, frech, kühn, verletzlich, zänkisch, zickig, verliebt und traurig.
Kurz gesagt: erschreckend menschlich für eine Ratte mit verschiedenen Dialekten.

Und irgendwo zwischen einem spitzen Kommentar und einem Lied fragt man sich unweigerlich:
Woher hat sie eigentlich diese ganzen Lebensweisheiten?
Und vor allem – wo um alles in der Welt hat sie so singen gelernt?

Dass Cornelia Fritzsche dabei ganz allein auf der Bühne steht, vergisst man schnell. So lebendig ist dieses Zusammenspiel zwischen ihr und ihrer Figur. Die beiden treiben sich gegenseitig an, necken sich, spielen miteinander – und das Publikum ist mittendrin statt nur dabei.

Und mittendrin bedeutete an diesem Nachmittag wirklich mittendrin.
Da wurde nicht nur zugeschaut, da wurde reagiert, gelacht, mitgedacht.

Zum Beispiel, als plötzlich die große Frage im Raum stand:
Wie verblüffe ich meinen Mann?

Die Antwort kam natürlich prompt: Mit Fußball-Fachwissen.
Und ehe man sich versah, wurde im Publikum diskutiert, geschmunzelt und innerlich wahrscheinlich schon der nächste Bundesliga-Abend vorbereitet.

Ein besonders schöner Moment entstand: eine Besucherin hat ihren Geburtstag bei uns verbracht. Ursula ließ sich das natürlich nicht entgehen, überreichte eine rote Rose – ganz große Geste, ein Hauch von Romantik. Für einen kurzen Augenblick wurde es fast feierlich.

Und dann, ganz Ursula, nahm sie die Rose einfach wieder mit.
Begründung inklusive: die Rose braucht sie noch, Logisch, irgendwie. Und vor allem: urkomisch.

Als Wegbegleiter hat sie nun unser „Bommelchen“ dabei, wer weiß welche Rolle er beim nächsten Kabarett spielen wird – wir dürfen gespannt sein.

Nach so viel Lachen, Staunen und leisen Aha-Momenten ging es später hinaus zum „BratOrt“. Dort warteten Bratwürstchen und Grillkäsesandwiches, die Gespräche gingen weiter und der Nachmittag bekam einen schönen Ausklang.

Und am Ende blieb dieses Gefühl:
Das war mehr als ein schöner Nachmittag.

Das war ein kleines Stück Leben –
mit allem, was dazugehört.

Und mittendrin eine Ratte, die erst aussortiert, dann gerettet wurde
…und uns am Ende ziemlich viel über uns selbst erzählt hat.

Vielen Dank an das Team, dass ihr diesen Nachmittag so schön gemacht habt!

Bianca Reuter
Wildtulpe – Mösthinsdorfer Heimatverein e.V.
Netzwerkstelle KunstGUT

Eine Veranstaltung aus der Reihe “VarieTEE auf dem Lande”.